WIE ist das bodyART™ Training entstanden?

von Robert Steinbacher 

1993 arbeitete ich mit behinderten Kindern im HPZ (Heilpädagogisches Zentrum) in der Nähe von Salzburg. Die Hauptarbeit war die Bewegungspädagogik und die Förderung der Motorik des menschlichen Körpers. Ich hatte damals als Therapeut und Pfleger gearbeitet, obwohl mein Herz dem Tanz galt. Aus Kinderliebe habe ich beschlossen meine Lehrjahre mit behinderten Kindern zu verbringen...

… gleichzeitig hatte ich meine Engagements als Tänzer und meine Laufbahn als Presenter begann.

Zur damaligen Zeit war die sog. "Problemzonengymnastik" sehr populär, ja sogar der große Renner. Als Pädagoge aber fragte ich mich oft, was wir da eigentlich mit den Teilnehmern tun, außer Spaß zu haben. Mir war bewusst, dass diese Art des Trainings außer Spaß an der Bewegung zu haben, nie an der Struktur des Körpers etwas verändern wird und um ehrlich zu sein, wie viele Teilnehmer haben mit den kleinen rosa Hanteln (smile) wirklich körperliche Fortschritte gemacht? Fast niemand!

Ich hatte zwar Spaß, aber eines hatte mich dennoch stark belastet:
es war die Kluft zwischen behinderten Menschen, die sich nach Bewegung sehnten und deren Körper funktionell extrem eingeschränkt war (z. T. bis zur Verkümmerung) und im Gegensatz hierzu die fehlende Verantwortung, der so genannten gesunden Menschen, die das Bewusstsein für die Funktionalität ihres Körpers verloren haben oder diese oft einfach dem Trainer übergeben wollten.

„Das mag ich nicht … das tu ich nicht …“, das Handgelenk wird geschüttelt, die Augen verdreht, „das ist zu anstrengend … mir ist zu heiß …“ die Luft passt nicht, „ich hab heut keine Lust … ich bin zu alt …“.

Im Gegensatz hierzu die Kinder und Behinderten, die dankbar dafür gewesen wären, einen kleinen Lichtblick zu besitzen, was ihnen „Gott sei Dank“ oft selbst nicht bewusst war. Während der gesunde Mensch über Fähigkeiten verfügt, die er aber im Ansatz oft nicht anerkennt. Diese Kinder hätten eine Riesenfreude gehabt, wenn sie nur einmal hätten laufen dürften. 

Ich erinnere mich an den Ausdruck der Kinder im Rollstuhl, die sich dennoch  mehr als freuen konnten, wenn sie Kinder schreien hörten, obwohl sie selbst nicht fähig waren zu spielen... das war und ist brutal...
Ich fragte mich: wo steht der gesunde Mensch und was will er eigentlich?
wohin? warum? nach was sehnt er sich, wenn er sein Bewusstsein für seinen Körper verloren hat? warum hat er sein Körperbewusstsein verloren?

Soll ich es verraten nach was sich der Mensch sehnt?
Es sind zwei Dinge, die so elementar sind wie Nahrung:

Es sind dies der Drang nach Bewegung und die Freiheit sie auszuleben.

So hatte ich meine Berufung gefunden... den Menschen zu helfen ihre Sehnsucht zu leben …

Ich habe viele Bewegungen, Übungen und Therapieansätze aus der Behindertentherapie und
-motorik akribisch gesammelt, verändert, entwickelt und für gesunde Menschen modifiziert.

Eine Therapieform hat mich dabei besonders geprägt und beeindruckt: DO IN. Der fernöstliche Ansatz von Physiotherapie und eine Art Pädagogik, in welcher der Mensch als Einheit zwischen Muskelketten/Organen einerseits und geistig-seelischem Ansatz andererseits behandelt wird.

Als ich letztendlich all die Übungen mit "gesunden" Menschen ins Training integriert hatte, war dies wie eine Explosion. Der Teilnehmerzuwachs war so groß, dass wir keine Teilnehmer mehr aufnehmen konnten.

Ich bin mit diesem Kurs bis nach München gebucht worden und eines spürten alle Teilnehmer gemeinsam: die Übungen sind streng, aber sie verändern mich...

Der Trainierende fühlt, dass diese Übungen von ihm viel abverlangen:

  • Verantwortung für den eigenen Körper
  • Konsequenz in der Durchführung und
  • Konzentration auf seine Mitte

Anfangs hatte ich noch viele Hilfsmittel, wie Steps, Bodybars, Tubes, Heavy Hands etc., bis ich immer mehr auf das Elementare von bodyART™ gekommen bin.

DER MENSCH BRAUCHT FÜR SICH UND SEIN BEWUSSTSEIN "NICHTS" AUSSER SICH SELBST....

Viele Menschen finden sich selbst im äußeren Ansatz leichter und brauchen immer mehr Impulse durch Musik, Geschrei, Wiederholungszahl, Choreographie und Gruppenmotivation... das ist wichtig, und ich würde das als Tänzer niemals ablehnen. Gerade beim Langhanteltraining oder Step braucht man die Geräte, da aber liegt der Trainingsansatz in Muskeltraining oder in der Choreographie.

Wenn es um Bewusstsein geht und funktionelle Weiterentwicklung, dann aber muss der Mensch wieder lernen, seine Verantwortung für seinen eigenen Körper zu übernehmen, sich eigenständig zu erkennen und sich zu führen oder zu verbessern (das gilt nicht nur für das Training sondern für das gesamte Dasein).

Ich habe begonnen alle Hilfsmittel wegzulassen und mehr und mehr die Übungen in den eigenen Körper durch Balance und eigenem Körperwiderstand zu integrieren. Ich habe diese Übungen (das hört sich jetzt lustig an) an meiner Oma ausprobiert... denn wenn es meine Oma kann... dann können es auch andere Omas und Opas und Erwachsene und Jugendliche und Kinder.

Doch Etwas war dominanter im bodyART™ Training als alle Übungen zusammen: 
DIE ATMUNG.

Mit dieser Form körperlich-geistigen Trainings war bodyART™ geboren..

1995 habe ich die ersten Kurse unterrichtet und eine Seminareinrichtung in München gegründet. Außerdem habe ich auch bei Reebok begonnen, die meine Arbeit jahrelang geprägt und unterstützt haben.

Anfangs haben mich meine Kollegen ausgelacht, als ich 1995 auf Conventions versucht habe den Leuten gegen den Choreographie-Trend  bodyART™ entgegenzusetzen. In Lausanne bin ich 1998 von einer Convention geflogen, mit der Begründung, dass sind nicht die „does and don´ts“ im Fitness. Aber ich bin dabei geblieben, denn ich hatte eins immer in mir: wenn diese Übungen so vielen Kindern, Behinderten und gesunden Menschen geholfen haben, wird irgendwann auch Licht auf meine Arbeit fallen. 1995 waren die ersten Ausbildungen in München mit vielen Teilnehmern. Die meisten waren Rückentrainer, Physiotherapeuten, Gymnastiklehrer und nur wenige Aerobictrainer.

Johanna Fellner

Johanna Fellner war mein Feedback für die Ausbildungen. Mit ihr bin ich aufgewachsen und sie hatte die Entwicklung aller Übungen miterlebt und mein Programm als Erste unterrichtet. Johanna ist ebenfalls Pädagogin, und so konnten wir im Austausch die Qualität der Lehrgänge und Stunden schnell verbessern. bodyART™ konnte noch mehr und professioneller wachsen.

1998 zog ich in die Schweiz und hatte ein Engagement als Tänzer und Trainer.

Alexa Lé

Dort suchte ich mir so schnell wie möglich eine aus Mitgliedern zusammengestellte Testgruppe. Eine der Teilnehmerinnen im Kurs war eine ganz Besondere: Alexa Lé.
Alexa ist gelernte Shiatsu Praktikerin und Bodyworkerin und die begnadetste Ausbilderin im Bereich Körperarbeit und Esalen-Massage. Sie leitet in der ganzen Welt viele Kurse über Esalen-Massage, Körperarbeit im körperlichen und energetischen Bereich. Dies war mein Glück für bodyART™.

Zusammen haben wir das gesamte Programm neu definiert. Energetik, tiefere Atmung und das gesamte Wissen nach fernöstlicher Philosophie haben das bodyART™ Konzept erweitert. bodyART™ hat sich das erste Mal neu transformiert. Wir habe jede Übung anatomisch und energetisch strukturiert und studiert wie sie unterrichtet werden muss, damit jeder Mensch sie durchführen kann. Das ist das Einzigartige an bodyART™. Jede Übung kann energetisch, anatomisch, muskulär, organisch und physiologisch belegt werden. Wir haben in der Folge erarbeitet, wie eine Person in jeder Übung korrigiert werden muss und wie man eine Person taktil führt und begleitet. Durch die jahrelange Erfahrung von Alexa im Shiatsu war das Ergebnis phänomenal und von einer Qualität, die ich als überaus große Bereicherung für bodyART™ empfinde.

Ein Ursprung des bodyART™ Trainings liegt im Yoga. Der religiöse Ansatz von Yoga soll ganz bewusst im Yoga bleiben, denn Yoga ist etwas, das man leben sollte und keine Trainingform, sondern eine unglaubliche jahrtausende alte Philosophie. Wir haben uns zu internationalen Yogalehrern ausbilden lassen und begnadete Yogalehrer zu bodyART™ Lehrern ausgebildet, um mit ihnen und mit bodyART™ noch tiefer zu wachsen und das Programm noch freier werden zu lassen. Auch unsere Qi movements kommen von TaiQi- und Qi Gong- Lehrern, die ebenfalls Shiatsu Lehrer sind. So kann die Qualität von bodyART™ immer an der Wurzel gefasst und niemals interpretiert werden.

Eine Lehre von bodyART™ ist es, niemals zu urteilen zwischen guten und schlechten Bewegungen, denn was für den einen gut ist, kann für den anderen ungeeignet sein. bodyART™ bedeutet Freiheit für jeden Teilnehmer auf seinem persönlichen Level zu trainieren.

Ich, als Robert Steinbacher, bin unheimlich stolz darauf, so viele Menschen zu bewegen, ihnen zu helfen ihr Bewusstsein für den eigenen Körper wieder zu finden und damit eine Grundlage zu schaffen, dass sie sich wohler fühlen können.

Ihr Robert Steinbacher